Zukunft Nordabschnitt

Das Aktionsbündnis pro TWE hat nach fast vierjähriger intensiver Arbeit ein wichtiges Ziel auf dem Weg zum langfristigen Erhalt der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) erreicht. Am Dienstag, den 1. Dezember 2015 wurde der Verkauf des bisher stilllegungsbedrohten TWE-Nordabschnitts Versmold – Lengerich – Ibbenbüren/Hafen Dörenthe notariell besiegelt und der 1900/1901 eröffnete Streckenteil somit in eine neue Trägerschaft überführt. Neuer Eigentümer ist die Lappwaldbahn (www.lappwaldbahn.de) aus Weferlingen (Sachsen-Anhalt). Das Unternehmen, dem ein Höhenzug nordöstlich von Helmstedt – der Lappwald – den Namen gab, hatte sich Anfang 2015 um die Übernahme des TWE-Nordabschnitts im Rahmen eines von der Teutoburger Wald Eisenbahn GmbH (https://de.wikipedia.org/wiki/Teutoburger_Wald-Eisenbahn) beabsichtigten Stilllegungsverfahrens nach § 11 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) beworben.

Der 1998 gegründeten mittelständischen Lappwaldbahn ist es vor einigen Jahren gelungen, zwei ähnlich heruntergekommene Strecken im Raum Helmstedt – Weferlingen – Haldensleben mit Hilfe der öffentlichen Hand wieder in einen technisch guten Zustand zu versetzen und sie im Güter- und Touristikverkehr wiederzubeleben. Es konnten inzwischen erhebliche Tonnagen für die Schiene zurückgewonnen und die Straßen von einem großen Teil des Schwerlastverkehrs befreit werden. Doch die LWB ist nicht nur auf ihren eigenen Strecken unterwegs, sie befördert auch Güterzüge und Bauzüge im gesamten nordwest- und mitteldeutschen Raum. Somit bestehen sehr gute Voraussetzungen, zeitnah nach einer Instandsetzung der TWE-Strecke den Güterverkehr zum Hafen Ibbenbüren-Dörenthe und zu anderen Ladestellen wieder aufzunehmen.

Die Lappwaldbahn hat inzwischen die Betriebsgenehmigung für den TWE-Nordabschnitt erhalten und wird umgehend Anträge auf Fördermittel für die Streckensanierung beim Bund und beim Land Niedersachsen stellen. Auf die Fördergelder, die in ähnlicher Form auch für Straßenbaumaßnahmen bereitgestellt werden, können Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) zurückgreifen, auf deren Gleisen Ferngüterverkehr abgewickelt wird. Dieses ist u.a. am Hafen Ibbenbüren-Dörenthe der Fall, wo das Unternehmen Albert Bergschneider zukünftig erhebliche Mengen Baustoffe und andere Massengüter über die Schiene beziehen wird.

Die Lappwaldbahn ist bemüht, die durchgehende Befahrbarkeit der Strecke möglichst schnell wiederherzustellen, auch wenn dieses zunächst nur für geringere Lasten möglich sein wird. Dieses schließt die Erneuerung stark sanierungsbedürftiger Gleisabschnitten ebenso ein wie die Instandsetzung der Brücken und Bahndämme. Durchgehend genutzt werden kann die Strecke aller Voraussicht nach ab Mitte/Ende 2017 wieder für den Tourismusverkehr, für leichte Güterzüge und Lokleerfahrten.

Die eigentliche Ertüchtigung des Oberbaus soll nach einer notwendigen Vorlaufzeit für Planung etc. von etwa einem halben Jahr im Juni 2016 vom Bahnhof Ibbenbüren ausgehend beginnen. In einem ersten Schritt wird das Gleis über Brochterbeck bis zum Hafen Ibbenbüren-Dörenthe vollständig saniert und den Anforderungen an einen zeitgemäßen Güterverkehr entsprechend für hohe Lasten ausgebaut. In weiteren Schritten wird bis Ende 2022 die gesamte Strecke über Lengerich bis nach Versmold saniert. Instandgesetzt werden auch sämtliche Brücken und schadhaften Bahndämme. Anstelle der bisher verwendeten Holzschwellen mit Federnägeln kommen Betonschwellen in neuer Schotterbettung zum Einbau. Abschnittsweise werden auch die Schienen gegen stärkere Profile getauscht.

Die erfreuliche Resonanz von Seiten potentieller Frachtgeber auf die Übernahme der nördlichen TWE-Strecke durch die Lappwaldbahn macht allen Beteiligten Mut. Denn nur mit entsprechendem Güterverkehr kann die Strecke langfristig – auch für den Touristikverkehr – erhalten werden. Doch muss niemand befürchten, dass künftig pausenlos lange Güterzüge entlang des Teutoburger Waldes rollen werden. Es wird sich auch in Zukunft stets um wenige Güterzugfahrten am Tag handeln. Für mehr ist die Infrastruktur einerseits nicht ausgelegt, andererseits besteht dafür auch kein Bedarf. Ein stabiler Oberbau wird dazu beitragen, die Lärmemissionen zukünftig zu begrenzen, ebenso der bis 2018 durchgängig vorgeschriebene Einsatz so genannter Flüsterbremsen. Auch werden die Züge weiterhin nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h unterwegs sein.

Besonderes Augenmerk werden das Aktionsbündnis pro TWE und dieLappwaldbahn auf die Möglichkeiten eines regelmäßigen Tourismus-verkehrs an Wochenenden legen. 2016 soll darüber beraten und ein erstesKonzept vorgelegt werden. Besondere Berücksichtigung findet dabei auch der Entscheid der Bad Iburger Bürger zugunsten der Landesgartenschau, die im Jahr 2018 stattfinden wird.

Vier Jahre Kampf um den TWE-Nordteil haben sich gelohnt, doch damit ist die Arbeit des Aktionsbündnisses pro TWE keineswegs beendet. Jetzt geht es darum, Verkehr auf die Strecke zu bringen. Und dabei werden wir die Lappwaldbahn nach Kräften unterstützen!